Festival der Regionen 1993

Stand: 22.09.2017

 

Bellum Docet Omnia - die Implosion der Werte
 

        

Grundlagen: Vorn Oberkommando der Wehrmacht erging am 2. März 1944 der Befehl, die aus deutscher Kriegsgefangenschaft entflohenen Offiziere, amerikanische und britische ausgenommen, nach ihrer Wiederergreifung ins Konzentrationslager Mauthausen, Block 20, zu überstellen und im Block 20 zu internieren. Dieser Geheimerlass (die sogenannte Keitel-Verordnung) erforderte Vertraulichkeit. Die Unteroffiziere und Offiziere, die bei einem Fluchtversuch ertappt wurden, sollten der sogenannten "Aktion K" zugeführt werden. "K" war die Kürzung für "Kugel" ... Die Häftlinge im Block 20 wurden zu keinerlei Arbeitsdiensten herangezogen. Täglicher Appell, "Leibesübungen", täglicher Totschlag nach Willkür; nur alle drei Tage ein, zwei, vielleicht drei Löffel Suppe. 700 Häftlinge auf engstem Raum. Keine Betten, keine Strohsäcke. Im Winter ließ die SS den Boden unter Wasser setzen. Auf den Befehl "Niederlegen" mussten die internierten Offiziere zur Nachtruhe ins Wasser … Um den Block 20 zwei Wachtürme, eine zwei Meter zwanzig hohe Mauer und ein mit Starkstrom geladener Draht; das hatten die Offiziere bei einem Ausbruch zu überwinden. Der Ausbruch musste also sorgfältig und lange geplant werden. Am 2. Februar 1945, um 00.50 Uhr überwältigten die Häftlinge die Wache, indem sie ihr Feuerlöscherschaum in die Augen spritzten. 419 von rund 700 sowjetischen Häftlingen schafften die Flucht aus dem Lager. Von den Entflohenen haben - soweit es zu belegen ist - elf die Flucht überlebt, sieben gelten als vermisst. … Es hatte 25 bis 30 Zentimeter Neuschnee bei minus acht Grad. Die alarmierte SS saß ihnen im Nacken, - eine grauenvolle Hetzjagd auf die Richtung Norden Flüchtenden begann… In den Morgenstunden (Anm: in Schwertberg am 2.2.1945) wurden der gesamte Volkssturm, die Feuerwehr und die Politischen Leiter alarmiert. Alles wurde auf dem Marktplatz versammelt, wo folgender Befehl ausgegeben wurde: 500 Schwerverbrecher sind aus dem KZ-Lager Mauthausen ausgebrochen. Sie bilden eine große Gefahr für die Bewohner, sie müssen sofort unschädlich gemacht werden. Niemand soll gefangen werden, alle sind sofort umzulegen ... Die Versammelten wurden in Suchgruppen eingeteilt ... ein großes Morden begann - ein richtiges Blutbad. Der Schneematsch auf der Straße färbte sich mit dem Blut der Erschossenen. Überall, wie und wo man sie antraf, ... erschoß man sie auf der Stelle, egal wer anwesend war ... einigen spaltete man das Haupt mit dem Beil. Die Leichen blieben liegen, wohin sie fielen ... Am nächsten Tag ging das Morden weiter. Wieder luden Menschen eine Blutschuld auf sich und es kam zu Grausamkeiten, die man der Mühlviertler Bevölkerung nie zugetraut hätte ... Die Erinnerung ist unliebsam. Der von der SS in die Geschichtsschreibung übernommene Begriff der "Hasenjagd" sitzt tief. Die Erinnerung bringt schreckliche Bilder Toter, plötzliche Konfrontationen mit mageren Gestalten, die in Ställen, Scheunen, Wohnräumen auftauchten, auf der Suche nach Nahrung, weiter flüchteten oder sich versteckten.

Beteiligte:
Chor Ungarischer Nationalchor -
DirigentIn Matyas Antal
Künstlerische Beratung Horst F. Paster
Komposition Peter Androsch
Organisation Andi Wahl
Projektverantwortliche(r) Peter Androsch


  
  
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